Biographie

Bildungsweg

Voß wurde als einziges Kind eines Soldaten, der 1943 fiel, und einer Verkäuferin am 28. Januar 1941 in Hamburg geboren. Er wuchs in Lübeck auf und besuchte dort das Johanneum. 1958/59 war er Schüler an einer High School in Michigan, USA. Von 1961 an studierte er an der Universität Göttingen zunächst Deutsch und Englisch, dann Soziologie mit den Nebenfächern Rechtswissenschaft und Ethnologie (M.A. 1968). Als (damaliges) Mitglied einer Studentenverbindung war Voß 1963/64 AStA-Vorsitzender in einer Koalition zwischen dem Intercorporativen Convent (ICC) und dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). Nach dem Ausscheiden des SDS wurde der Sozialdemokratische Hochschulbund (SHB) Koalitionspartner. Voß setzte sich vor allem für die Stärkung der studentischen Mitbestimmung in der universitären Selbstverwaltung ein, lehnte ein umfassendes politisches Mandat der Studentenschaft jedoch ab.

Berufsweg als Journalist

Voß volontierte 1968 beim Göttinger Tageblatt (GT) und der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und war danach für das Lokalressort des GT verantwortlich, bis er 1971 als Nachrichtenredakteur zum ZDF wechselte. 1977 ging er als Korrespondent des ZDF nach Berlin (West), von 1978 bis 1981 war er stellvertretender Redaktionsleiter des ARD-Magazins „Report München“. 1981 kehrte er zum ZDF zurück, wo er rasch in Leitungsfunktionen aufrückte – 1983 als Redeaktionsleiter des „heute journals“, 1985 als Chef der Hauptredaktion Aktuelles, die neben „heute“ und „heute journal“ u. a. die Tele-Illustrierte und das ZDF-Mittagsmagazin umfasste, und 1990 zusätzlich als stellvertretender Chefredakteur des Senders. Zugleich wurde er als Moderator und Kommentator bekannt. Er zählte zu den entschiedenen Befürwortern der deutschen Wiedervereinigung. Kritiker bescheinigten ihm eine „durch Sachlichkeit gezügelte journalistische Aggressivität“ (FAZ).

Intendanz

1993 wurde Voß Intendant des Südwestfunks (SWF). Mit Nachdruck betrieb er danach die Fusion des Senders mit dem benachbarten Süddeutschen Rundfunk (SDR) zum Südwestrundfunk (SWR) und damit zur zweitgrößten Rundfunkanstalt in der ARD, deren Gründungsintendant er 1998 wurde. Die Fusion gilt als seine größte rundfunkpolitische Leistung. Seine erste Amtszeit war geprägt von der Anstrengung, zwei unterschiedliche Programm- und Unternehmenskulturen zusammenzuführen, Standortinteressen zurückzudrängen und auszugleichen, durch massiven Abbau von Planstellen die Finanzen zu sanieren und Synergien zu schaffen und zugleich die Hörer- und Zuschauerbindung zu stärken.

2000/2001 war er ARD-Vorsitzender. In dieser Zeit gelang ihm die Neuordnung des ARD-Finanzausgleichs, den er entschlossen gegen politische Angriffe verteidigte. 2002 wurde Voß mit großer Mehrheit von den SWR-Gremien wiedergewählt. Er vertrat den Senderverbund u. a. im Verwaltungsrat der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung von ARTE-Deutschland. Als federführender Intendant für den Online-Bereich bemühte er sich um einen fairen Interessenausgleich mit den Zeitungsverlegern. Mit dem Intendanten des Saarländischen Rundfunks, Fritz Raff, vereinbarte er 2006 eine Orchesterfusion, die in Rheinland-Pfalz aus Standortgründen auf politische Kritik stieß: Aus dem Rundfunkorchester Kaiserslautern (SWR) und dem Rundfunksinfonieorchester Saarbrücken (SR) wurde die von beiden Sendern gemeinsam betriebene „Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern“, die 2007 ihr erstes Konzert gab. Von 2001 bis 2007 moderierte Voß im Wechsel mit Fritz Pleitgen den ARD-Presseclub, von 1996 bis 2016 moderierte er auf 3sat „Peter Voß fragt…“ (seit 1996, früher „Bühler Begegnungen“, vgl. Menüpunkt Sendungen), Zur Sendung.

Im Oktober 2006 kündigte Voß überraschend ein „Islamisches Wort“ im SWR an, mit dem Muslime – zunächst im Internet, später auch im Hörfunk – in deutscher Sprache ihren Glauben bekennen sollten. So wolle er „einen demokratischen Islam unterstützen und einen Beitrag zur Integration leisten“. Kurz darauf griff auch das ZDF die Anregung auf. Voß stieß in seinem Umfeld und in der Politik zunächst auf Skepsis und Widerspruch, so beim CDU-Politiker Stefan Mappus, der in einem Schlagabtausch mit Voß öffentlich die Rundfunkgebühr in Frage stellte. Voß bestand auf seiner Programmverantwortung als Intendant und setzte zum Ende seiner Amtszeit das „Islamische Wort“ durch.

2007 gab Voß das Intendantenamt ein Jahr vor Ablauf der regulären Amtszeit auf, sein Nachfolger wurde SWR-Verwaltungsdirektor Peter Boudgoust, für dessen Wahl sich Voß eingesetzt hatte. Eine Gesamtbilanz der Intendanten-Ära Voß zog die Stuttgarter Zeitung am 1.4.2006: „Es ist sein bleibendes Verdienst, aus dem Südwestfunk und dem Süddeutschen Rundfunk den zweitgrößten Sender der ARD geformt zu haben. Auch wenn es immer noch Probleme gibt, kann die Senderfusion im Großen und Ganzen als gelungen bezeichnet werden. Und aus der Riege der Intendanten ragt Voß bis heute als prägnanter, eigenständiger Kopf heraus. Trotz CDU-Parteibuch blieb er ein unabhängiger Geist und wahrte Distanz zur Politik.“ Für seine Leistung als Gründungsintendant wurde Voß 2007 der Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg verliehen.

Hochschule

1996 wurde Voß Professor für Medien an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe. Im Mittelpunkt seiner Lehrtätigkeit standen Fragen der Medienethik sowie der Presse- und Rundfunkfreiheit, was sich  in diversen Publikationen niederschlug. 2009 übernahm er das Amt des Präsidenten der Quadriga Hochschule Berlin, einer staatlich anerkannten privaten Hochschule für Management in den Bereichen Kommunikation, Politik und Public Affairs, Human Resources und Marketing, die Mitarbeiter in Unternehmen und Organisationen für Führungsfunktionen qualifiziert (Abschlüsse M.A. und MBA). Das rief öffentliche Kritik hervor, weil die Grenze zwischen Journalismus und PR verwischt werde. Voß erklärte dazu, ihm gehe es, auch im Interesse des Journalismus, um eine Professionalisierung der PR-Arbeit – auch in ethischer Hinsicht, denn Transparenz sei „die beste Unternehmenspolitik“.
Von 2009 bis 2015 war Voß außerdem Mitglied des Universitätsrats der Universität Heidelberg, eines der zentralen Universitätsorgane (neben Rektor und Senat), der als Aufsichtsrat für die Entwicklung der Universität Verantwortung trägt.

Ehrenamtliches Engagement

Voß war von 2007 bis 2010 Gründungsvorsitzender der Stauffenberggesellschaft Baden-Württemberg, die die Erinnerung an den Widerstand gegen die NS-Diktatur vor allem in der jungen Generation wach halten will. Sein Nachfolger ist Staatssekretär a. D. Wolfgang Schneiderhan. Seit Juni 2013 ist Voß Vorsitzender des Museumsvereins des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin, zuvor war er seit 2009 Stellvertreter des Gründungsvorsitzenden Dieter Stolte. Schließlich engagiert sich Voß als Schirmherr der Gastro-Liga, die sich der  Aufklärung der Bevölkerung über die Krankheiten des Verdauungstrakts und deren Bekämpfung widmet und sich besonders für Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung des Darmkrebses einsetzt. Seit 2009 engagiert sich Voß auch im Freundeskreises des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung in Tübingen.

Persönliches

Voß war 35 Jahre lang Mitglied der CDU. Im Dezember 2009 gab er sein Parteibuch zurück, nachdem die CDU im Verwaltungsrat des ZDF die Vertragsverlängerung von Chefredakteur Nikolaus Brender verhindert hatte. Voß sah darin einen Angriff auf die Rundfunkfreiheit.

Voß ist seit 1967 verheiratet mit Margarete Voß, geb. Bornemann. Das Paar hat drei Söhne: Jan Peter Voß (geb. 1968, Rechtsanwalt), Jens Uwe Voß (geb. 1973, Bankkaufmann), Dr. jur. Jörg Michael Voß (geb. 1974, Rechtsanwalt), alle in Frankfurt am Main.

Einen Lebenslauf von Prof. Peter Voß finden sie hier.